Botanische Umbenennungen: Warum deine Pflanze plötzlich anders heißt
Pflanzennamen können sich manchmal so anfühlen, als würden sie ständig wechseln. Das ist verständlicherweise lästig, aber meist kein Zufall. In der Regel steckt dahinter der Versuch, die Einordnung von Pflanzen genauer an den aktuellen Forschungsstand anzupassen.
Dieser Leitfaden konzentriert sich auf die Namensänderungen, denen Pflanzenfreunde, Sammler und Händler heute am ehesten begegnen. Manche sind in den großen taxonomischen Referenzdatenbanken inzwischen weitgehend angekommen. Andere werden noch uneinheitlich übernommen – und genau deshalb kann dieselbe Pflanze je nach Quelle noch immer unter zwei verschiedenen Gattungsnamen auftauchen.
Pflanzennamen sind wichtig, weil sie beeinflussen, wie wir nach Pflegehinweisen suchen, Pflanzen in Datenbanken vergleichen, Etiketten lesen und überhaupt verstehen, was wir vor uns haben. Eine neue Gattungszuordnung macht aus deiner Pflanze nicht plötzlich etwas anderes, aber sie kann darüber entscheiden, welche Pflegeartikel, Herbarbelege oder wissenschaftlichen Arbeiten du bei einer Suche findest.
Genau deshalb wirken botanische Namen im Alltag oft verwirrend. In einer Gärtnerei steht vielleicht noch der ältere Name auf dem Schild, während eine Datenbank längst den neueren verwendet. Sammler nutzen oft beide. Das heißt natürlich nicht, dass sich die Pflanze selbst verändert hat. Es zeigt nur, dass Taxonomie, Handel und gärtnerische Praxis nicht im gleichen Tempo laufen.
Solche Beispiele wirst du wahrscheinlich immer wieder sehen:
Calathea orbifolia wird heute meist als Goeppertia orbifolia gefĂĽhrt
Sansevieria trifasciata wird heute meist als Dracaena trifasciata gefĂĽhrt
Schefflera arboricola wird heute meist als Heptapleurum arboricola gefĂĽhrt
Homalomena wallisii wird heute meist als Adelonema wallisii gefĂĽhrt
Einige selbstständig aufrecht wachsende Arten, die lange zu Philodendron gezählt wurden, tauchen in manchen Datenbanken als Thaumatophyllum auf – aber nicht in allen
Dieser Leitfaden konzentriert sich auf die bekanntesten Umklassifizierungen, mit denen Pflanzenbesitzer, Händler und Sammler heute tatsächlich noch zu tun haben. Wo sich eine Änderung in den großen Referenzdatenbanken weitgehend durchgesetzt hat, wird sie hier entsprechend dargestellt. Wo große Datenbanken noch unterschiedlich damit umgehen, steht das klar dabei.
2. Warum sich botanische Einordnungen ändern
Lange wurden Pflanzen vor allem anhand sichtbarer Merkmale eingeordnet: Blüten, Blätter, Früchte, Samen, Anatomie und Wuchsform. Das spielt weiterhin eine wichtige Rolle. Heute verbindet die moderne Taxonomie diese Merkmale aber mit phylogenetischen Daten, also vor allem mit DNA-Analysen, um zu prüfen, ob eine Gattung tatsächlich eine gemeinsame Entwicklungslinie abbildet.
Wenn sich zeigt, dass eine traditionell abgegrenzte Gattung in Wirklichkeit mehrere nicht nahe verwandte Linien umfasst, kann sie aufgespalten werden. Wenn sich umgekehrt herausstellt, dass eine vermeintlich eigenständige Gattung innerhalb einer anderen eingebettet ist, kann sie eingegliedert werden. In manchen Fällen spielen zusätzlich die formalen Regeln der botanischen Nomenklatur eine Rolle, etwa Priorität, Typusbindung und korrekte Veröffentlichung.
Botanische Namensänderungen beruhen also meist nicht einfach auf einem einzelnen DNA-Ergebnis. In der Praxis kommen molekulare Daten, Morphologie, Verbreitung, Zytologie und nomenklatorische Regeln zusammen.
Wichtige GrĂĽnde fĂĽr Umklassifizierungen
Phylogenetische Daten
Sequenzdaten können zeigen, ob eine Gattung tatsächlich nur eine Entwicklungslinie umfasst oder ob darin mehrere nicht zusammengehörige Gruppen stecken.
Breitere Datengrundlage
Neuere Studien beziehen oft deutlich mehr Arten ein als ältere Arbeiten. Dadurch werden Muster sichtbar, die vorher verborgen geblieben sind.
Morphologie bleibt wichtig
Gute taxonomische Revisionen ignorieren die Gestalt der Pflanzen nicht. Morphologische Merkmale bleiben entscheidend fĂĽr Diagnose und praktische Bestimmung.
Regeln der Nomenklatur
Selbst wenn ein phylogenetisches Ergebnis klar ist, muss sich der akzeptierte Name trotzdem an die formalen Regeln der botanischen Benennung halten.
Moderne Werkzeuge hinter taxonomischen Änderungen
Taxonomie entwickelt sich heute schneller als früher, weil Forschende mehrere Genregionen über größere Stichproben hinweg vergleichen, ältere Herbarbelege mit neueren Sequenzdaten zusammenführen und öffentliche Checklisten zügiger aktualisieren können.
Phylogenetische Analysen mit mehreren Markern
Wenn nicht nur ein einzelner Marker ausgewertet wird, sinkt das Risiko, aus einem zu schmalen Datensatz falsche SchlĂĽsse zu ziehen.
Plastidäre und nukleare Daten
Verschiedene Teile des Genoms können sich gegenseitig stützen oder Widersprüche sichtbar machen und dadurch ein klareres Bild der Verwandtschaft liefern.
Globale Checklisten und Referenzdatenbanken
Ă–ffentliche Datenbanken ĂĽbernehmen neu publizierte Namen und taxonomische Auffassungen heute viel schneller, auch wenn sie das nicht immer gleichzeitig tun.
Zuverlässige taxonomische Datenbanken
Wenn du Pflanzennamen prĂĽfen willst, hilft es, die Funktion der einzelnen Quellen zu kennen:
Plants of the World Online (POWO) – eine der wichtigsten öffentlich zugänglichen Referenzdatenbanken für akzeptierte Namen und Synonyme.
World Flora Online (WFO) – eine weitere zentrale globale Referenz, gerade deshalb nützlich, weil sie nicht immer exakt mit POWO übereinstimmt.
GBIF Backbone Taxonomy – sehr verbreitet und hilfreich, kann aber einer anderen taxonomischen Auffassung folgen als POWO oder WFO.
International Plant Names Index (IPNI) – unverzichtbar für Autorangaben, Publikationsdetails und nomenklatorische Geschichte, aber keine Quelle für akzeptierte Taxonomie an sich.
Für die Praxis ist vor allem eines wichtig: veröffentlichte Namen, akzeptierte Namen und Handelsnamen sind nicht automatisch dasselbe. Ein Name kann gültig publiziert sein, im Handel weit verbreitet sein und trotzdem in der Referenzdatenbank, die du gerade nutzt, nicht als akzeptierter Name gelten.
3. Wichtige Namensänderungen, die im Pflanzenhandel noch immer auftauchen
Die folgenden Abschnitte greifen die Namensänderungen auf, denen man auf Etiketten, in Pflanzenangeboten im Internet, in älteren Pflegeartikeln und in aktuellen Datenbanken tatsächlich begegnet. Manche sind inzwischen weitgehend angekommen. Andere werden noch uneinheitlich übernommen. Genau das ist entscheidend.
Thaumatophyllum und der Vorbehalt bei Philodendron
Thaumatophyllum stenolobum zeigt sehr gut, wie knifflig moderne Namensänderungen bei Zimmerpflanzen sein können: Die Umstellung von Philodendron aus dem Jahr 2018 wird von manchen Datenbanken übernommen, von anderen nicht.
Hier lohnt sich besondere Genauigkeit. 2018 schlugen Sakuragui, Calazans, Mayo und Mitautorinnen und Mitautoren vor, Thaumatophyllum fĂĽr die Gruppe anzuerkennen, die lange als Philodendron subg. Meconostigma behandelt wurde. Ihre Argumentation stĂĽtzte sich auf molekulare, morphologische und zytologische Daten.
Diesen Vorschlag gibt es tatsächlich. Aber er ist nicht in allen großen öffentlichen Referenzdatenbanken gleichermaßen übernommen.
GBIF akzeptiert Kombinationen wie Thaumatophyllum bipinnatifidum und Thaumatophyllum xanadu.
POWO/WCVP und WFO fĂĽhren dieselben Pflanzen derzeit weiterhin unter Philodendron und behandeln die Thaumatophyllum-Namen als Synonyme.
Wenn dir also in einer Quelle Philodendron bipinnatifidum begegnet und in einer anderen Thaumatophyllum bipinnatifidum, muss das kein Fehler sein. Es spiegelt eine echte Differenz in der jeweils ĂĽbernommenen taxonomischen Auffassung wider.
Einige Datenbanken akzeptieren Thaumatophyllum bipinnatifidum, andere fĂĽhren dieselbe Pflanze weiterhin als Philodendron bipinnatifidum. Gerade daran sieht man gut, warum eine Pflanze je nach Referenz unter zwei Gattungsnamen auftauchen kann.
Diese Namen kannst du fĂĽr dieselbe Gruppe antreffen:
FĂĽr Verkaufslisten und Sammlungslisten ist es oft am sinnvollsten, beide Namen gemeinsam anzugeben. So bleibt die Pflanze auffindbar, ohne die aktuelle Uneinheitlichkeit zu verschweigen.
Goeppertia orbifolia, früher als Calathea orbifolia bekannt, ist eines der bekanntesten Beispiele für eine ältere, aber im Pflanzenhandel noch immer sehr relevante Namensänderung.
Calathea und Goeppertia
Die Umstellung von Calathea zu Goeppertia gehört zu den sichtbarsten Namensänderungen bei Zimmerpflanzen, auch wenn sie längst nicht mehr neu ist. 2012 zeigten Borchsenius, Suárez und Prince, dass das früher weit gefasste Verständnis von Calatheapolyphyletisch war. Deshalb wurde Goeppertia für die große Linie wieder aufgenommen, zu der die meisten der als „Calathea“ bekannten Blattpflanzen gehören, die als Zimmerpflanzen kultiviert werden.
Darum werden viele bekannte Zimmerpflanzen, die frĂĽher als Calathea verkauft wurden, in den groĂźen Referenzdatenbanken heute unter Goeppertia gefĂĽhrt.
Beispiele, die heute meist als Goeppertia gelten:
Goeppertia orbifolia (Calathea orbifolia)
Goeppertia makoyana (Calathea makoyana)
Goeppertia roseopicta (Calathea roseopicta)
Goeppertia ornata (Calathea ornata)
Goeppertia warszewiczii (Calathea warszewiczii)
Goeppertia veitchiana (Calathea veitchiana)
Goeppertia insignis (ältere Synonyme sind unter anderem Calathea insignis und Calathea lancifolia)
Welche Arten bleiben bei Calathea?
Calathea ist nicht verschwunden. Die Gattung wurde lediglich deutlich enger gefasst. Arten wie Calathea lutea und Calathea crotalifera bleiben weiterhin in Calathea.
Für Pflanzenbesitzer ist die praktische Konsequenz einfach: Die meisten Blattpflanzen, die lange als „Calathea“ verkauft wurden, lassen sich heute besser unter Goeppertia finden – auch wenn auf älteren Etiketten der frühere Name noch allgegenwärtig ist.
Dracaena trifasciata 'Laurentii', frĂĽher als Sansevieria trifasciata 'Laurentii' klassifiziert, wird in den groĂźen aktuellen Referenzdatenbanken heute ĂĽberwiegend unter Dracaena gefĂĽhrt.
Sansevieria und Dracaena
Der Wechsel von Sansevieria zu Dracaena ist eines der klarsten Beispiele dafür, wie eine frühere Gattung in eine andere eingegliedert wurde. Molekulare Arbeiten von Lu und Morden zeigten, dass Sansevieriainnerhalb von Dracaena eingebettet ist. Spätere nomenklatorische Arbeiten ordneten dann viele der nötigen Kombinationen sauber ein.
Heute werden die frĂĽheren Sansevieria-Arten in den groĂźen Referenzdatenbanken weitgehend unter Dracaena gefĂĽhrt.
Beispiele, die heute meist als Dracaena gelten:
Dracaena trifasciata (Sansevieria trifasciata)
Dracaena angolensis (Sansevieria cylindrica)
Dracaena hanningtonii (Sansevieria ehrenbergii)
Dracaena masoniana (Sansevieria masoniana)
Dracaena pethera (Sansevieria kirkii)
Das ist eine echte Namensänderung, aber keine Veränderung der Pflanze selbst. Es sind dieselben Bogenhanf-Arten wie vorher. Der Unterschied liegt darin, dass die Einordnung ihre Verwandtschaftsverhältnisse heute genauer abbilden soll.
Heptapleurum arboricola 'Charlotte', frĂĽher als Schefflera arboricola 'Charlotte' bekannt, steht fĂĽr die aktuelle Behandlung der asiatischen Schefflera-Linie in groĂźen Referenzdatenbanken.
Schefflera und Heptapleurum
Das früher weit gefasste Verständnis von Schefflera umfasste mehrere eigenständige Entwicklungslinien aus verschiedenen Regionen. Für Zimmerpflanzen besonders relevant wurde die Änderung 2020, als Lowry und Plunkett Heptapleurum für die asiatische Linie der früheren Schefflera-Arten wieder aufnahmen.
Darum wird die bekannte Strahlenaralie heute meist unter folgenden Namen gefĂĽhrt:
Gleichzeitig wurde die frühere Sammelgattung auch in andere Richtungen aufgespalten. Viele neuweltliche Arten wanderten in Gattungen wie Sciodaphyllum und Didymopanax, während Teile der afro-madagassischen Gruppe zu Astropanax und Neocussonia gestellt wurden.
Die Sache lässt sich also nicht einfach auf „Aus Schefflera wurde Heptapleurum“ reduzieren. Tatsächlich wurde das frühere breite Schefflera-Konzept regionenweise zerlegt. Was als Schefflera übrig blieb, ist heute deutlich kleiner; dazu gehört zum Beispiel Schefflera digitata.
Neotropische Homalomena und Adelonema
Diese Änderung ist außerhalb von Sammlerkreisen für Aronstabgewächse weniger bekannt, aber sie ist relevant. 2016 stellten Wong und Croat Adelonema für die neotropischen Arten wieder her, die zuvor unter Homalomena geführt wurden. Das heißt: Nicht alles, was früher als Homalomena zusammengefasst wurde, blieb auch zusammen.
In der Praxis verwenden viele Gärtnereien weiterhin die älteren Namen, doch aktuelle Referenzdatenbanken akzeptieren heute unter anderem:
Adelonema wallisii (Homalomena wallisii)
Adelonema picturatum (Homalomena picturata)
Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass eine Gattungsänderung nicht immer alle Arten betrifft, die früher unter einem Namen zusammenliefen. In diesem Fall wurden die neotropischen Vertreter abgetrennt, während das eigentliche asiatische Homalomena-Konzept an anderer Stelle blieb.
Schismatoglottis sensu lato: Aufspaltung in mehrere Gattungen
Schismatoglottis ist ein gutes Beispiel dafür, wie laufende Arbeiten an Aronstabgewächsen die Gattungsgrenzen noch immer verändern können. Das ist keine einfache Umbenennung in einem Schritt, sondern eher eine Folge von Verkleinerungen und Ausgliederungen.
2024 grenzten Wong und Boyce Schismatoglottis sensu stricto enger ab und beschrieben sieben neue Gattungen fĂĽr Arten, die zuvor in einem weiter gefassten Schismatoglottis-Konzept enthalten waren:
Aia
Ayuantha
Bau
Borneoa
Ibania
Sarawakia
Tweeddalea
Dazu kommen schon etwas ältere Ausgliederungen, die ebenfalls relevant sind, etwa Nabalu und die wieder aufgenommene Verwendung von Colobogynium für einzelne Arten.
Für die meisten, die solche Pflanzen sammeln, ist die praktische Botschaft einfach: Wenn eine seltene „Schismatoglottis“ aus Borneo plötzlich unter einem anderen Gattungsnamen auftaucht, muss das nicht bloß eine willkürliche Umbenennung im Handel sein. Dahinter kann eine aktuelle taxonomische Auffassung stehen.
Aloidendron dichotomum, früher als Aloe dichotoma klassifiziert, gehört zu der Neufassung, bei der Baumaloen und mehrere andere Linien aus dem früher breiten Aloe-Begriff herausgelöst wurden.
Aloe und die daraus abgetrennten Gattungen
Das früher weit gefasste Verständnis von Aloe wurde 2013 überarbeitet. Grace, Klopper, Smith und ihre Mitautorinnen und Mitautoren schlugen ein enger gefasstes Aloe sowie mehrere abgetrennte Gattungen vor, die natürliche Linien besser widerspiegeln.
Darum werden einige Pflanzen, die frĂĽher als Aloe galten, heute in folgende Gattungen gestellt:
Aloidendron – Baumaloen
Aloiampelos – kletternde oder ausladend wachsende Aloen
Kumara – darunter die Fächer-Aloe
Gonialoe – darunter die frühere Aloe variegata
Aristaloe – darunter Aristaloe aristata
Beispiele:
Aloidendron dichotomum (Aloe dichotoma)
Aloidendron barberae (Aloe barberae)
Aloiampelos ciliaris (Aloe ciliaris)
Kumara plicatilis (Aloe plicatilis)
Gonialoe variegata (Aloe variegata)
Aristaloe aristata (Aloe aristata)
Gleichzeitig bleiben viele bekannte Arten weiterhin bei Aloe, darunter Aloe vera, Aloe ferox, Aloe arborescens und Aloe polyphylla.
Auch das zeigt sehr gut, wie taxonomische Änderungen in der Praxis oft aussehen: Nicht eine Gattung verschwindet komplett, sondern ein früher sehr weiter Gattungsbegriff wird enger gefasst und einzelne Linien werden getrennt benannt.
Änderungen in der Haworthia-Gruppe: Haworthiopsis und Tulista
Diese Änderungen sollte man sauber von der Aloe-Geschichte trennen, denn es sind keine Aloe-Umbenennungen. Sie gehen auf Arbeiten zur größeren Alooideae-Gruppe und auf spätere Kombinationen zurück, die das frühere breite Haworthia-Konzept in kleinere Gattungen aufgeteilt haben.
In den groĂźen aktuellen Referenzdatenbanken erscheinen bekannte Pflanzen heute zum Beispiel unter:
Haworthiopsis attenuata (Haworthia attenuata)
Tulista pumila (Haworthia pumila)
Nicht jede frĂĽhere Haworthia wurde ausgelagert. Genau deshalb bleibt dieser Bereich fĂĽr viele verwirrend. Je nach Art kann dir heute als akzeptierter Name Haworthia, Haworthiopsis oder Tulista begegnen.
Kurzer Exkurs: Bei Farnen ist die Namenslage oft noch unĂĽbersichtlicher
Farne sind hier nur kurz erwähnt, weil sie gut zeigen, wie ungleichmäßig Taxonomie in der Praxis wirken kann. Ältere gärtnerische Namen halten sich oft sehr lange, und verschiedene Referenzdatenbanken ziehen nicht immer ganz sauber am selben Strang.
Phlebodium aureum ist ein bekanntes Beispiel für eine ältere Farn-Umbenennung, die im Gartenbau noch immer nachwirkt. In den aktuellen großen Referenzdatenbanken gilt Polypodium aureum heute als Synonym.
Phlebodium aureum ist das klarere Beispiel: Der ältere Name Polypodium aureum taucht in älteren Quellen noch regelmäßig auf, wird in aktuellen Referenzdatenbanken aber als Synonym behandelt.
Auf Etiketten für Kängurufarn können noch Zealandia pustulata oder Microsorum pustulatum stehen, während POWO die Pflanze derzeit unter Lecanopteris pustulata führt. Gerade daran sieht man, wie lange Farnnamen je nach Quelle parallel laufen können.
Wichtig ist hier nicht, jede Farnkombination auswendig zu lernen. Hilfreich ist vor allem zu wissen, dass ältere Farnnamen oft sehr lange im Umlauf bleiben und man Synonyme deshalb bewusst mitprüfen sollte.
4. Warum diese Umklassifizierungen fĂĽr Pflanzenbesitzer relevant sind
Diese Änderungen sind wichtig, weil Namen darüber entscheiden, welche Informationen du findest. Wenn du nur nach einem einzigen Namen suchst, übersiehst du möglicherweise gute Pflegehinweise, ältere Literatur oder die aktuell akzeptierte taxonomische Auffassung.
Was das in der Praxis bedeutet:
✔ Suchergebnisse – Neuere Datenbanken können eine andere Gattung verwenden als die, die noch auf deinem Etikett steht.
✔ Recherche zur Pflege – Die Pflege bleibt meistens an dieselbe Pflanze gebunden, aber mit dem akzeptierten Namen und den wichtigsten Synonymen findest du in der Regel deutlich vollständigeres Material.
✔ Austausch mit anderen – Wenn du alte und neue Namen erkennst, kommst du in Foren, Sammlergruppen und Angebotsseiten wesentlich leichter zurecht.
✔ Präzisere Einordnung – Manche Änderungen machen Verwandtschaftsverhältnisse klarer, aber sie schreiben die Pflege im Alltag einer Pflanze nicht neu.
Die nützlichste Grundregel ist deshalb: Ein neuer Name ändert nicht über Nacht die Biologie deiner Pflanze. Die Pflanze bleibt dieselbe. Verändert wird nur die Art, wie Botaniker sie einordnen.
5. So gehst du mit mehreren Namen im Handel und im Internet um
Weil Handel, Datenbanken und wissenschaftliche Publikationen nicht im gleichen Tempo aktualisiert werden, kursieren fĂĽr dieselbe Pflanze oft mehrere Namen nebeneinander. Das ist normal.
Suche mit beiden Namen – Probier den akzeptierten Namen ebenso wie das ältere Synonym.
Prüfe in einer benannten Referenzdatenbank – POWO, WFO und GBIF sind die schnellsten öffentlich zugänglichen Anlaufstellen für die aktuelle Auffassung.
Nutze IPNI für Publikationsdetails – IPNI ist hervorragend für Autorangaben und nomenklatorische Geschichte.
Beschrifte bei Bedarf doppelt – Zum Beispiel: Philodendron bipinnatifidum (syn. Thaumatophyllum bipinnatifidum).
Sei besonders aufmerksam bei umstrittenen oder uneinheitlich übernommenen Namen – Thaumatophyllum ist in diesem Artikel das deutlichste Beispiel dafür.
Wenn du Pflanzen verkaufst oder eine Sammlung dokumentierst, ist eine doppelte Angabe oft die unkomplizierteste Übergangslösung. So bleibt ein Eintrag gut auffindbar, ohne taxonomisch unsauber zu werden.
6. Herausforderungen, Verzögerungen und Widersprüche in der Pflanzentaxonomie
Umklassifizierungen verbessern die Taxonomie, aber sauber und geradlinig läuft das nicht immer.
Verschiedene Datenbanken können sich widersprechen
Große Referenzdatenbanken übernehmen nicht immer dieselbe Auffassung zur gleichen Zeit. Genau deshalb kann eine Quelle Thaumatophyllum akzeptieren, während eine andere dieselben Arten weiterhin unter Philodendron führt.
Der Pflanzenhandel hinkt oft hinterher
Händler bleiben häufig bei dem Namen, den Kundinnen und Kunden schon kennen. Deshalb können ältere Namen im Gartenbau noch viele Jahre dominieren, nachdem eine Änderung in wissenschaftlichen Referenzwerken bereits angekommen ist.
Nicht jede veröffentlichte Änderung wird sofort zum Konsens
Ein Name kann gültig veröffentlicht sein und trotzdem Zeit brauchen, bis er in großen Checklisten übernommen wird. Manche Änderungen setzen sich schnell durch, andere bleiben über Jahre eine Minderheitsauffassung.
Ältere Synonyme verschwinden nicht einfach
Selbst wenn ein akzeptierter Name stabil ist, bleiben ältere Synonyme oft tief in Büchern, auf Internetseiten, in Apps und in Sammlungslisten verankert. Das ist besonders häufig bei Farnen, Aronstabgewächsen und lange kultivierten Zierpflanzen der Fall.
Das Ziel muss also nicht sein, jede Änderung sofort auswendig zu kennen. Wichtiger ist zu verstehen, welcher Name in einer bestimmten Quelle verwendet wird, wie breit diese Auffassung getragen wird und welches Synonym dir zusätzlich hilft, die Pflanze sicher zu finden.
7. Fazit
Botanische Namensänderungen sind anfangs oft lästig, besonders wenn eine Pflanze, die du seit Jahren unter einem Namen kennst, plötzlich anders heißt. In den meisten Fällen geht es dabei aber nicht um unnötige Komplizierung, sondern um den Versuch, Pflanzeneinteilung besser an die vorhandenen Daten anzupassen.
Einige der hier besprochenen Änderungen sind in den großen Referenzdatenbanken inzwischen weitgehend angekommen, darunter Goeppertia, Dracaena, Heptapleurum, Adelonema und die wichtigsten von Aloe abgetrennten Gattungen. Andere, vor allem Thaumatophyllum, sollte man weiterhin mit mehr Vorsicht behandeln, weil große Datenbanken sie noch nicht einheitlich führen.
Die gute Nachricht ist: Du musst deine ganze Pflanzensammlung nicht neu denken. Die Pflanzen bleiben dieselben. Am hilfreichsten ist es, eine verlässliche Referenzdatenbank konsequent zu nutzen, wichtige Synonyme mitzudenken und flexibel genug zu bleiben, alte und neue Namen nebeneinander wiederzuerkennen.
8. Quellen und weiterfĂĽhrende Literatur
Taxonomische Referenzdatenbanken und Namensindizes
Zentrale Fachpublikationen, auf die sich dieser Artikel stĂĽtzt
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Sakuragui, C. M., Calazans, L. S. B., de Oliveira, L. L., de Morais, É. B., Benko-Iseppon, A. M., Vasconcelos, S., Schrago, C. E. G., & Mayo, S. J. (2018). Recognition of the genus Thaumatophyllum Schott – formerly Philodendron subg. Meconostigma (Araceae) – based on molecular and morphological evidence. PhytoKeys 98: 51–71.
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Zusätzliche Literatur zu Unterschieden zwischen Checklisten
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Umtopfen ist mehr als ein größerer Topf: Es geht um Wurzelraum, frisches, luftiges Substrat und stabile Bedingungen. Du lernst, wie du Wurzelstau erkennst, den passenden Topf auswählst, Substrat mi...